Das zentrale Thema der diesjährigen Herbstrektorenkonferenz in Wiesbaden war zweifellos die Frage, welche Auswirkungen die rasante Entwicklung der Künstlichen Intelligenz auf Hochschulen, Verwaltung und Gesellschaft haben wird. Die Diskussion machte deutlich: Wir stehen nicht vor einer rein technischen Innovation, sondern vor einem tiefgreifenden Transformationsprozess, der Organisationen, Arbeitsweisen und Kompetenzanforderungen an Hochschulen und Verwaltungen gleichermaßen verändert. Drei Grundsatzreferate haben dabei besonders wichtige Perspektiven eröffnet:
- Prof. Dr. Ingo Aberle von der HöMS präsentierte Ergebnisse einer HöD-übergreifenden Studie zur digitalen Reife, IT-Infrastruktur und KI-Nutzung an den Hochschulen für den öffentlichen Dienst. Die Befunde zeigen, dass die technische und organisatorische Ausgangslage sehr heterogen ist. Gleichzeitig wurde sichtbar, dass nahezu alle Einrichtungen die strategische Bedeutung von KI erkannt haben und bereits erste Anwendungsfelder erschließen. .
- Prof. Dr. Jürgen Stember beleuchtete als Präsident der Rektorenkonferenz die strategische Dimension von KI für den öffentlichen Sektor und die Hochschulen für den öffentlichen Dienst. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Hochschulen eine aktive Gestaltungsrolle übernehmen können. Hochschulen müssen künftig nicht nur Wissen über KI vermitteln, sondern selbst zu Innovations- und Kompetenzzentren für den verantwortungsvollen Einsatz dieser Technologien werden.
- Prof. Dr. Stephan Raimer von der Hochschule in Altenholz richtete den Blick auf die praktische Anwendung von KI in Hochschulen und Verwaltungen. Anhand konkreter Beispiele zeigte er, wie generative KI bereits heute Prozesse unterstützt, Wissen verfügbar macht und neue Formen der Zusammenarbeit ermöglicht. Gleichzeitig wurde deutlich, dass die erfolgreiche Einführung weniger eine technische als vielmehr eine kulturelle und organisatorische Herausforderung darstellt.
Besonders wertvoll war das Zusammenspiel dieser drei Perspektiven für die anschließende lebhafte Diskussion: Die strategische Einordnung, die empirische Bestandsaufnahme und der Blick auf konkrete Anwendungen. Gemeinsam ergab sich ein differenziertes Bild darüber, wo die Hochschulen für den öffentlichen Dienst heute stehen und welche Aufgaben in den kommenden Jahren zu bewältigen sind.
KI wird die öffentliche Verwaltung ebenso grundlegend verändern wie die Hochschulen. Umso wichtiger ist es, technologische Innovation mit wissenschaftlicher Reflexion, organisatorischer Gestaltungskompetenz und einer klaren Werteorientierung zu verbinden. Die Hochschulen für den öffentlichen Dienst können und sollten dabei eine zentrale Rolle übernehmen – mehr denn je.


