Einladung zum Online-Workshop „Die Rolle der Sozialwissenschaften in der Ausbildung an den Hochschulen des öffentlichen Dienstes 

Wie viel Sozialwissenschaft braucht die Ausbildung für den gehobenen öffentlichen Dienst? Diese Frage steht im Mittelpunkt eines Online Workshops, der am 22. Juni 2026 stattfinden soll. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass viele Studiengänge an Hochschulen des öffentlichen Dienstes interdisziplinär aufgebaut sind. Studierende müssen rechtliche, wirtschaftliche und sozialwissenschaftliche Perspektiven miteinander verbinden, um komplexe Herausforderungen im Verwaltungsalltag angemessen bearbeiten zu können.

Während in den Rechtsfächern meist klarer definiert ist, welche Grundlagen vermittelt werden sollen, zeigt sich bei sozialwissenschaftlichen Inhalten ein uneinheitliches Bild. Besonders Methoden der Datenerhebung, Datenauswertung und Ergebnispräsentation sind je nach Studiengang sehr unterschiedlich im Curriculum verankert. Das führt dazu, dass Studierende bei empirisch angelegten Abschlussarbeiten häufig Schwierigkeiten haben, wissenschaftliche Texte zu finden, zu verstehen und methodisch sauber zu nutzen.

Eine Befragung von 42 Lehrenden an Hochschulen des öffentlichen Dienstes bestätigt diesen Eindruck. Viele Befragte berichten, dass sozialwissenschaftliche Inhalte oft auf verschiedene Module verteilt sind und nur einen begrenzten zeitlichen Umfang haben. Gleichzeitig werden Kompetenzen im Umgang mit empirischen Studien, Statistik und Auswertungssoftware wie SPSS oder MAXQDA als wichtig eingeschätzt.

Besonders deutlich wird der Handlungsbedarf bei der deskriptiven Statistik und der Inferenzstatistik. Viele dieser Inhalte kommen in den Curricula gar nicht oder nur eingeschränkt vor. Auch die Planung empirischer Untersuchungen wird zwar häufiger behandelt, aber mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Dabei sind gerade diese Fähigkeiten für eine moderne, evidenzorientierte Verwaltung von großer Bedeutung.

Der geplante Workshop bietet deshalb die Chance, Erfahrungen aus verschiedenen Hochschulen zusammenzuführen und gemeinsame Perspektiven für ein zukunftsorientiertes sozialwissenschaftliches Curriculum zu entwickeln. Ziel ist nicht, Studierende zu Spezialistinnen und Spezialisten der empirischen Forschung auszubilden. Vielmehr sollen sie in die Lage versetzt werden, wissenschaftliche Erkenntnisse einzuordnen, Daten kompetent zu nutzen und verwaltungspraktische Probleme fundiert zu analysieren.

Damit rückt eine zentrale Frage in den Fokus: Welche sozialwissenschaftlichen Grundlagen braucht der öffentliche Dienst von morgen?

Der Austausch am 22. Juni 2026 um 16 Uhr kann ein wichtiger Schritt sein, um diese Frage gemeinsam weiterzudenken.

Ansprechpersonen:

Christian Bauer (christian.bauer@hsbund.de) und Christina Schuh (christina.schuh@hsbund.de) – Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung